Kreisfeuerwehrverband Schleswig-Flensburg

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Erste weibliche Gruppenführung in der Ortswehr Harrislee

Erste weibliche Gruppenführung in der Ortswehr Harrislee

Silke Heinrichs setzt sich in zwei Wahlgängen durch

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Feuerwehr – das klingt für viele noch immer nach einer Männerdomäne. Technik, Kameradschaft, robuster Humor und jede Menge Kraftaufwand. Dabei gibt es in Deutschland schon seit Mitte der 80er-Jahre vereinzelt Frauen in den Berufsfeuerwehren, und unter den über eine Million Mitgliedern in den Freiwilligen Feuerwehren leisten inzwischen (Stand 2019) über 100.000 Frauen ihren ehrenamtlichen Dienst.

Die Feuerwehr Harrislee hat mit Silke Heinrichs nun eine erste Gruppenführerin. Sie setzte sich auf der Versammlung der Ortswehr in zwei Wahlgängen durch und rückt somit in den Vorstand auf. Heinrichs gehört der Feuerwehr seit sechs Jahren an. Neben der Feuerwehr engagiert sich die 42-jährige Betriebswirtin als Reservistin in der Bundeswehr. Auf den Gedanken, sich um eine Führungsposition bei der Feuerwehr zu bewerben, kam sie nach Gesprächen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Harrislee. Uta Weissing ermutigte sie, für ein solches Amt zu kandidieren. Beiden erschien es wichtig, deutlich zu machen, dass Beruf, Familie und Ehrenamt sich für Frauen keinesfalls ausschlössen. Auch dann nicht, wenn in einer Führungsposition mehr in das Ehrenamt investiert werde.

Silke Heinrichs freut sich auf ihre neue Aufgabe und über das Vertrauen der Kameradinnen und Kameraden. Sie hat – schon berufsbedingt – Lust auf Menschenführung und darauf, sich Herausforderungen zu stellen. Gleichzeitig hat sie natürlich auch großen Respekt vor dem, was sie erwartet. „Ich hoffe, dass ich voll akzeptiert werde“, sagt sie, „und ich weiß, dass ich mir jetzt viel Wissen in kürzester Zeit aneignen muss.“ Noch dieses Jahr wird sie voraussichtlich auf die zwei Lehrgänge zur Gruppenführung gehen. Vielleicht, überlegt Heinrichs, müsse eine Frau sich in einer Männergesellschaft immer noch etwas mehr beweisen als ein Mann. Am Ende zählten aber die Fachkompetenz und das souveräne Auftreten. So gesehen gebe es auch keine speziell weiblichen Eigenschaften, die bei der Feuerwehr besonders gefragt seien.

Befremdliche Situationen habe sie als Frau in der Feuerwehr noch nicht erlebt, berichtet sie weiter. Aber vielleicht nehme sie solche auch gar nicht so wahr, weil sie bereits durch die Bundeswehr geprägt sei. Das Arbeiten mit vielen Männern liege ihr jedenfalls. „Da geht es zwar oft etwas robuster zu, dafür werden die Auseinandersetzungen aber meist offen ausgetragen“, resümiert Heinrichs.

Auch in Harrislee freut man sich über die erste Gruppenführerin. Ortswehrführer Görrissen betont, dass Frauen bei der Feuerwehr inzwischen etwas „völlig Normales“ seien und den Männern in „überhaupt gar nichts“ nachstünden. Daher wünsche er sich noch viel mehr Frauen für die Feuerwehren.

Frauen, die sich dann wie Heinrichs verschiedenen Herausforderungen stellen wollen. Als ihren forderndsten Einsatz bezeichnet sie einen der Brände in einem Harrisleer Hochhaus (wir berichteten). Dort habe sie sich bei Nullsicht in einen verwinkelten Kellertrakt vorarbeiten müssen, ohne zu wissen, ob das Feuer vor ihr oder hinter ihr sei. Sie habe dort zwar keine Angst, aber großen Respekt gehabt – in etwa so wie bei der neuen Aufgabe.


Jan-Christian Schwarz

Letztes Update: 2022-07-15

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